Gespräche mit Felicitas: Die Lizenz zum Verwöhnen?

Guten Tag Ihr Lieben,

die vier Kerzen des Adventskranzes sind angezündet. Die große Kanne mit dem frischen Bohnenkaffee steht auf dem Stövchen und die Scheiben des dunklen Brotes sind mit guter Butter bestrichen und mit Gewürzspekolatzius belegt. Es ist genauso, wie es im Advent am Niederrhein sein soll, „lecker warm“, gemütlich und in der Stube duftet es herrlich. Auch die Hunde haben es sich gemütlich gemacht und kauen zur Feier des vierten Advents ihre Zahnpflegeknochen. Es ist an der Zeit, ein Versprechen einzulösen und über Großeltern zu klönen!

Paula: Man sagt, dass Großeltern die Lizenz zum Verwöhnen haben. Wirklich gut gekannt, habe ich nur meine Oma väterlicherseits, die bis vierzehn Tage vor ihrem Tod bei uns im Haus gelebt hat. Meine Großväter sind beide Ende des zweiten Weltkriegs gestorben und meine Oma mütterlicherseits lebte in der DDR. Meine Oma väterlicherseits war im Alter schwierig. Außerdem waren wir die Kinder von der Frau, die ihr ihren Sohn „weggenommen“ hat, seiner eigentlich nicht würdig war. Sie kannte den oben genannten Satz nicht oder beherzigte ihn nicht. Wie war das bei deinen Großeltern?

Felicitas: Meine Großeltern väterlicherseits kannte ich in meiner Kindheit aber eben nicht als Großeltern. Schließlich wusste ja niemand, wer mein Vater ist. immerhin habe ich mich mit dem Otti versöhnt. Aber die Geschichte kommt in einer der nächsten Folgen des Felicitasprojekts vor. Ihr Mann war bereits gestorben, als endlich die Zeit für eine Aussprache reif war. Opa Heinrich und Oma Isabel haben mich von Herzen geliebt. Verwöhnt haben sie mich aber nicht. Ich bezweifle, dass Leute, die so genügsam, aufrichtig und lebensklug sind, wie sie es waren, sich oder andere überhaupt verwöhnen können. Sie wussten natürlich, wie viele Schwierigkeiten mit der übrigen buckligen Verwandtschaft und mit den anderen Leuten aus der Umgebung haben würde. Sie und meine Mamita haben gar nicht erst versucht, mich mit Geschenken und Zärtlichkeiten zu überschütten, um diese Probleme von Anfang an im vorauseilendem Gehorsam ausgleichen zu wollen, obwohl sie meiner Mamita und mir manche Sachen erspart haben. So hat Oma Isabel dafür gesorgt, dass ich Zuhause geboren bin und nicht im Krankenhaus. Mit dieser Ideologie von der sanften Geburt, die in den 70er Jahren eine gewisse Verbreitung hatte, zu tun. Es gab keine Anzeichen, dass meiner Mamita oder mir irgendetwas fehlte, es gab eine sehr erfahrene Hebamme in Tannhuysen, die auch freiberuflich arbeitete und Oma Isabel hat alle mit ihrem Glauben angesteckt, dass die Geburt gut verlaufen würde. „Bei manchen Dingen hilft nur, dass man das Bisschen, was man weiß, Liebe, das Vertrauen auf die eigene Stärke zu einem Paket zusammenzupacken und zu glauben, dass es gut geht, damit es auch gut gehen kann!“, sagte sie.

Paula: Was weißt du darüber, wie es dazu gekommen ist, dass Terry und deine Großeltern alles so gut für dich gemacht haben. Da müssen ja auch die Weichen schon vor deiner Geburt gestellt worden sein.
Felicitas: Darüber weiß ich nur, dass sie sich alle drei auf ihre jeweils eigene und aufrichtige Art allein und miteinander den Sachen gestellt haben, die anlagen. Ehrlich gesagt, will ich es auch gar nicht mehr genau wissen. Das war in gewisser Weise vor meiner Zeit, obwohl ich schon da war. Aber das war nicht immer so. Ein Bisschen neugierig war ich schon, als ich die Tagebücher von meiner Mamita an mich genommen habe. Ich habe es dann immer aufgeschoben zu lesen, was in der Zeit war, als Mamita mit mir schwanger war. Es gibt wohl im Leben einer jeden Frau die Zeit, in der sie sich nicht nur mit dem Thema eigene Kinder zu bekommen, befasst sondern auch mit dem, was die eigene Mutter bezogen auf Schwangerschaft und Geburt erlebt hat. Als ich mich damit beschäftigen musste, hatte ich die Aufzeichnungen von Terry nicht zur Hand. Und ich nehme an, dass ich nicht darauf zurückgegriffen hätte, wenn ich sie bei mir gehabt hätte. Vielleicht wäre es im Jahr 2000 anders weitergegangen, wenn ich mich an diese Sachen herangewagt hatte. Zu Oma Isabel habe ich zwar einen besonderen geistigen Kontakt. Aber sie hat sich dazu nicht äußern mögen. Sie war der Auffassung, dass das eine Sache zwischen Mutter und Tochter ist, dabei Dinge sind, die von Generation zu Generation besprochen werden sollten, die auf keinen Fall eine Generation überspringen sollten. Sie hatte schon zu Lebzeiten einen Sinn und Gespür für die passenden Zeiten, Orte und Personen. Und dann irgendwann wollte ich nicht mehr wissen, wie die drei das so gut geschafft haben.
Paula: Wie war das mit dem Tod deiner Großeltern im Jahr 1989 für dich?
Felicitas: Ich vermisse sie manchmal immer noch genauso wie ich meine Mamita vermisse. Und das ist so, obwohl ich zu Abuella Isabel und seit 2010 auch zu meiner Mamita geistig Kontakt habe. Manche Menschen vermisst man den Rest des eigenen Lebens lang, wenn sie gegangen sind. Wir sind einander aber nichts schuldig geblieben. Das hilft. Es half auch, dass wir, die Mamita und ich, den letzten Gang mit meinen Großeltern so gut als möglich gestaltet haben. So war es gut, dass es in Tannhuysen noch üblich war, dass Verwandte sich mit den Leuten des Beerdigungsinstituts gemeinsam um die Eintragung kümmern konnten und zwar mit allem, was dazu gehört. Und bezogen auf die Tode meiner Großeltern bleibe ich bei dem, was ich im zweiten Kapitel von Felicitas – Die ersten sieben Leben eines Pumas geschrieben habe, dass Oma Isabel Opa Heinrich nachgegangen ist. Und es ist immer noch ein Trost, dass sie einander nicht im Stich gelassen haben.

Paula: Werden wir noch etwas von deinen Großeltern erfahren?
Felicitas: Aber ja doch! Ich werde ja viel Zeit haben, mich zu erinnern. Und ich bin von ihnen so reich mit positiven Erlebnissen beschenkt worden, dass ich aus diesem vielseitigen Erfahrungsschatz in vielen Situationen, die ich erleben musste, schöpfen konnte. Und ich kann wohl sagen, dass ich davon reichlich Gebrauch gemacht habe. Es war und ist mir eine Ehre und ein Quell der Freude, diese beiden großartigen Menschen gekannt zu haben. Und ich hoffe, dass die Leserinnen und Leser sich vor allem an diesen zauberhaften Erlebnissen erfreuen können. Es geht ja leider oft genug mehr als unerfreulich in meinem Leben zu.
Paula: Bei dem, was wir über deine Großeltern bisher wissen, kann man auf den Gedanken kommen, den auch das Otti hatte, dass diese bodenständige und praktische Art, die deine Großeltern hatten, dich zu frühreif, zu kopfgesteuert gemacht hat.
Felicitas: Das ist möglich! Doch ich denke, sie haben oft nur das getan, von dem sie wussten, dass sie mir damit entgegen kommen und mich unterstützen in der art, wie ich bin. Wer würde ein Kind, das sich viel und gern praktisch beschäftigt, praktische Dinge schnell und leicht lernt, nicht dabei helfen, dass es sich in diesen Dingen gut entwickeln kann? Ich gehe davon aus, dass sie sich Sorgen gemacht haben,, dass ich früh auf mich selbst gestellt sein werde, und dass sie auch aus diesem Grund alles dafür getan haben, dass ich so früh als möglich selbstständig werde. Aber was sollÄs? Sie haben für mich alles getan, was sie konnten. Die meisten Menschen und vor allem die, die anderen vorrechnen, was sie alles falsch gemacht haben, tun nicht mal ein Viertel von dem, was sie tun könnten. Meine Großeltern waren sehr dankbar für das, was sie an einander, an meiner Mamita und an mir hatten. Und meine Großeltern waren dankbar für das, was sie tun konnten. Das ist auf mich übergegangen sowie das Bemühen um Ehrlichkeit zu sich selbst, obwohl ich mich manchmal bei dem Gedanken ertappe, dass es sich viel leichter leben würde ohne Pflichtgefühl und Ehrlichkeit.
Paula: Auf die Erlebnisse mit deinen Großeltern, die noch kommen werden, freue ich mich. Die Sache mit der Standuhr, die Segnung der Lebensmittel vor dem Essen, das blaue Wunder, die im ersten Band stehen, waren herzerfrischend und einfach großartig.
Felicitas: Ich liebe diese Erlebnisse auch sehr. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut der Umgang mit den Erinnerungen an sie und die Verknüpfung mit Erlebnissen aus meinem späteren Leben zusammen passen und mir helfen.
Paula: Und was meinst du, was wir beim nächsten Mal besprechen sollten.
Felicitas: Hmmm! – Vielleicht über Freiheit und Gefangenschaft, obwohl das ja vorerst nur zum Netzroman passt!
Paula: Das ist ‚ne gute Idee!

Wir wünschen euch alles erdenklich Gute, eine zauberhafte Advents- und Weihnachtszeit, erfüllte Stunden mit gutem Lesefutter und viel Freude und Erfolg mit allem, was ihr so tun müsst!

Liebe Grüße

Felicitas und Paula

Du möchtest wissen, wie der Netzroman anfängt? – Hier geht’s lang:
http://tausendundeinprosaik.de/?p=192.
Und hier findest du verschiedene Buchquellen, bei denen der erste Felicitasroman verfügbar ist:
https://felicitasblogblog.wordpress.com/felicitas-im-handel/

Gespräche mit Felicitas: Ein Bisschen was über den zweiten Streich ;-)

Guten Tag Ihr Lieben,

endlich ist es soweit! Felicitas und ich wir haben uns zum Frühstück getroffen und geplaudert. Hier kommt das, was wir über den Fortgang des Felicitasprojekts gesprochen haben.

Paula: Was meinst du, was wir über den zweiten Roman sagen können?

Felicitas: Zwei Sachen hast du ja schon geschrieben. Die eine Sache ist, dass es ab dem 16. November weitergeht und zwar als Netzroman. Und das Zweite ist der Arbeitstitel, Texte aus tausendundeiner Nacht Band I.

Paula: Und das Ganze gibt es bis Mitte März auf http://www.tausendundeinprosaik.de. Aber was kann man, ohne zu viel zu verraten, über den Inhalt sagen?

Felicitas: Es ist so, wie ich es am Ende des ersten Romans gesagt habe, ich hab’ meine Tagebücher von 1990 bis 2012 durchforstet und habe dabei eine neue Zusammenstellung gemacht. Darüber hinaus habe ich mich aber auch dazu entschieden, dass ich diese Sachen als Buch selbst veröffentlichen will. Die Tamara Sänft hat also überhaupt nichts mehr damit zu tun, obwohl wir noch Kontakt hatten und haben. Die Leser werden auf jeden Fall am Anfang erfahren, wie es dazu kam, dass ich das Ding jetzt auf eigene Faust weitermache.

Paula: Einen zeitlichen Zwischenraum von zweiundzwanzig Jahren sinnvoll zu beschreiben ist eine schwierige Sache, auch wenn man in weiser Voraussicht mehrere Bände plant.

Felicitas: Aber in meinem Leben gab es Zeiten, die sich gut als Zwischenstopp eignen, zum Beispiel das Jahr 2000, um das es in diesem Band gehen wird. Nicht nur, dass es im Februar des Jahres 2000 eine durchgreifende Veränderung in meinem Leben gab, die es notwendig machte, noch einmal gründlich über mein bisheriges Leben nachzudenken. Ich hatte trotz der Erlebnisse in dem Jahr auch die Zeit dazu.

Paula: Das bedeutet auch, dass neue Personen in dein Leben getreten sind, dass Leserinnen und Leser, die den ersten Band kennen, auch vertrauten Persönlichkeiten begegnen. Was möchtest du, was über das Personal gesagt wird.

Felicitas: Über die Neuen sage ich noch nichts. Aber ich sage so viel, dass ich zumindest in Briefkontatk mit meinen Patinnen und mit Senta Löwenherz geblieben bin. Und auch die Salvadora mein Krafttier hat im Jahr 2000 alle Pfoten voll zu tun gehabt. Erinnerungen an meine Großeltern und meine Mamita fehlen natürlich auch nicht. Aber es war ein hundeloses und damit schreckliches Jahr. – Und beinahe hätte ich es vergessen. auch Lola und Setzen kommen vor. Ich kann gar nicht sagen, wie froh und dankbar ich dafür war und bin, dass ich alle diese treuen Seelen nicht missen musste. Das gilt, obwohl sie alle es auch überhaupt nicht einfach hatten. Wie viel ihr Schicksal mit mir zu tun hat, werden die Leser selbst entscheiden können.

Paula: Was ist mit der Erzählperspektive?

Felicitas: Die ist meine Eigene geblieben. Eine Zeit lang habe ich tatsächlich darüber nachgedacht die Erzählperspektive zu wechseln, um zu der zeitlichen Distanz mehr Abstand durch die Perspektive zu schaffen. Viele mögen die Ichperspektive ja so überhaupt nicht. In gewisser Weise ist es egoistisch nicht den größtmöglichen Abstand zu dem, was man erlebt hat, zu gewähren. Und auch, wenn mir niemand glaubt, ich habe die Tagebücher nicht geführt, um irgendwann mit meiner Geschichte, so ungewöhnlich sie auch sein mag, an die Öffentlichkeit zu treten. Das Schreiben war und ist für mich immer ein Stück Selbstbehauptung unn ein Kampf um Selbstachtung. Für mich war und ist es wichtig meine Wahrnehmungen, meine Gefühle und meine Gedanken aufzuschreiben, damit ich wirklich erfahren kann, dass ich Felicitas bin und nicht Lici das lästige Ding oder das bloße Objekt von Männern oder ein bloßer Fall für die Medizin und der Justiz.

Paula: So weit ich es bisher schon kenne, ist es nicht so geozentriert, wie man annehmen könnte. Du lässt andere ausführlich zu Wort kommen. Aber über Aspekte der Selbst- und Fremdwahrnehmung wird im Netzroman sicherlich noch viel geschrieben werden. Und ich gehe davon aus, dass das, was du sagst, wenn du verallgemeinerst, auch für reichlich Diskussionsstoff sorgen wird.
Felicitas: Das denke ich auch! Und auch die Mischung aus faktischen und magischen Elementen wird so ein Punkt sein. Denn die Mischung ist durchaus anders als im ersten Buch.

An dieser Stelle breche ich einfach mal ab, auch damit wir nicht zu viel vorgreifen. Wir haben dann noch über Felicitas’ Großeltern und meine Oma gesprochen. Aber das gibt es dann im nächsten Artikel über Gespräche mit Felicias. Unten gibt es dann noch einmal die Liste mit den Buchquellen für Felicitas – Die ersten sieben Leben eines Pumas.

Liebe Grüße

Paula Grimm
P. S.: Buchquellen
Link zu Felicitas

https://www.amazon.de/dp/B01HP04Y5O/

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Links zu Felicitas im Epubformat:
Bei Bücher.de:
http://www.buecher.de/shop/ebooks-neu/felicitas-ebook-epub/grimm-paula/products_products/detail/prod_id/45989080/.

Bei Ebook.de:
http://www.ebook.de/de/product/27051973/paula_grimm_felicitas.html?searchId=720052312. Bei Thalia:
http://www.thalia.de/shop/ebooks/suche/?sq=9789463181907&sswg=ANY×tamp=1475588964230.

Bei iBooks: „Felicitas“ von Paula Grimm
https://itun.es/de/-Zamfb.l